Meditation
Uns daran erinnern, wer wir wirklich sind
“Mindfulness is simply being aware of what is happening right now without wishing it were different; enjoying the pleasant without holding on when it changes (which it will); being with the unpleasant without fearing it will always be this way (which it won’t).”
– James Baraz
Was ist Meditation? Wahrscheinlich gibt es auf diese Frage so viele Antworten, wie es Meditierende gibt. Denn es gibt hunderte Arten von Meditation, die sich über tausende Jahre in verschiedensten spirituellen Traditionen entwickelt haben. Gereift sind durch Erfahrungen, Überlieferungen, sich verändernde Rahmenbedingungen. Was alle Arten von Meditation gemeinsam haben, ist, dass sie den Blick nach innen wenden, sich interessieren für unser Herz und unseren Geist.
In der Vipassana-Meditation, die sich in der buddhistischen Theravada-Tradition entwickelt hat (und die unser Bild von Meditation heute maßgeblich prägt), geht es im Grunde darum, dieses Herz und diesen Geist besser zu verstehen. Und damit wird aus der Frage „Was ist Meditation?“ die Frage: Was bedeutet es Mensch zu sein? Was bedeutet es zu leben? Wer bin ich? Und was macht uns wirklich glücklich?
Vipassana wird oft übersetzt als „klar sehen“, Vipassana-Meditation als Einsichtsmeditation. Und genau darum geht es. Indem wir unsere Aufmerksamkeit nach innen richten, erkennen wir immer deutlicher, wie unsere Wahrnehmung unsere Realität formt. Die Fähigkeit, Dinge so zu sehen, wie sie gerade wirklich sind – und nicht, wie wir sie gerne hätten – wird als Achtsamkeit (Mindfulness) bezeichnet. Und so beobachten wir in der Meditation ganz bewusst, neugierig und möglichst wohlwollend, was sich in uns zeigt: Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen.
Mehr und mehr erkennen wir dadurch die wahre Natur der Dinge. Wir sehen, dass nichts bleibt, wie es ist. Dass sich alles verändert. Dass es Leiden und Schmerz, Verlust und Unzufriedenheit gibt, im Leben. Genauso wie Freude, Leichtigkeit und Liebe. Wir bemerken, dass auch unser Selbst nicht so statisch, so unabänderlich ist, wie wir uns das oft vorstellen.
Und nach und nach zeigt sich auch die Ursache allen „Leidens“: Wir wollen die einen Dinge haben, und die anderen nicht. Mehr von dem Angenehmen, weniger von dem Unangenehmen. Und so halten wir fest, an Dingen, die nicht von Dauer sind. An materiellen Dingen (denk: Ski, Auto, Haus), an Beziehungen (Ist deine beste Freundin, als du 15 warst, noch immer deine beste Freundin? Ist die Beziehung zu deiner:m Partner:in noch genau so, wie sie es vor zwei, fünf oder zehn Jahren war?), an Vorstellungen darüber, wer wir sind (der Denker, die Sportlerin, der Musiker) und wie die Welt ist (freundlich, gut, großzügig oder gefährlich und lebensfeindlich?). Unser (dauerhaftes) Glück abhängig zu machen von Dingen, die sich ständig ändern, das klingt nach einer wenig erfolgversprechenden Strategie, oder? Dieses Festhalten an Dingen, die sich unweigerlich ändern, ist die Ursache unseres Leidens, meint der Buddha.
Im Umkehrschluss erkennen wir, dass es eine – theoretisch – recht einfache Lösung gibt. Loslassen. Praktisch gar nicht so einfach. Ideen und Vorstellungen über uns selbst und andere geben uns ganz schön viel (vermeintliche) Sicherheit. Materielle Dinge besitzen oft viel mehr als ihren rein materiellen Wert: sie sind Indikatoren für Status, Lebensstil, Identität. Und da müssen wir noch gar nicht an das Loslassen von Menschen und Tieren in unserem Leben denken, die wir lieben.
Was machen wir also? Der Buddha hat vor 2600 Jahren einen Weg gefunden. Einen Weg, der Schritt für Schritt Weisheit und Mitgefühl in uns wachsen lässt und uns so zu mehr und mehr Freiheit führt. Auf dem wir lernen, die Natur der Dinge klarer zu sehen. Und dabei spielt Meditation eine ganz wesentliche Rolle. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit nach innen lenken, hin lauschen, hin spüren, die Gedanken und Gefühle, ganz in ihrem Rhythmus kommen und gehen lassen, zeigt sich uns eine neue Welt. Berge des Mutes und der Freude. Täler der Traurigkeit. Die reißenden Flüsse der Angst. Wiesen des Friedens. Jedes Mal, wenn wir zurückkommen, erkennen wir mehr, lernen dieses innere Terrain besser kennen. Die Sackgassen, die mühsamen Umwege – und die kleinen und großen Pfade, die uns wirklich weiterführen. Wir werden vertrauter mit dem Schwierigen, Unangenehmen und bemerken, dass auch das Teile dieses Lebens sind. Genauso wie das Leichte und Schöne.
Und so weiten wir den Raum in uns. Weiten ihn, so dass alles Platz hat: das Schöne und das Schreckliche.
Wir schaffen Raum fürs Leben. Für die „ten thousand joys and ten thousand sorrows“, die das menschliche Leben beinhaltet, wie es im Tao heißt. Die zehntausend Freuden und die zehntausend Leiden des Mensch-Seins.
Auf diesem Weg entdecken wir auch, dass wir im Grunde nicht so besonders sind: wir wollen glücklich sein. Wie alle anderen fühlenden Wesen. Ohne Schmerzen, sicher und frei. Wir erinnern uns an unser Mitgefühl, mit uns selbst und anderen. Und so erinnern wir uns daran, wer wir wirklich sind.
Ob wir das glauben sollen? Dass es diesen Weg gibt? Und dass es wert ist, ihn zu gehen? Der Buddha meinte: Ehipassiko. Come and see for yourself. Probier’s aus und schau selbst.
Ich hab mich in diesen Weg verliebt. Mit all den Anstrengungen und all den Freuden, die er mit sich bringt. Mit allem, was ich bin, seh ich mich als Reisende auf diesem Weg. Auf diesem Weg in Richtung Freiheit.
Wir wissen so vieles nicht über diese Reise des Lebens, es ist eine Journey to the Unknown. Was uns begegnet, welche Wendungen das Leben nimmt, liegt nicht in unserer Hand. Aber wir können vertrauter werden, mit unseren zutiefst menschlichen Fähigkeiten das Leben mit Mitgefühl und Weisheit zu navigieren. Und das erscheint mir so sinnvoll, wie wenig anderes.
Auf diesem Weg bin ich Lernende. Mit meinem ganzen Herzen. Und meinem ganzen Geist. Ich lerne von anderen und mit anderen. Auch, indem ich das, was ich gerade lerne, teile. Und das mach ich in ganz unterschiedlichen Formaten: in Kursgruppen, die sich über ein paar Wochen oder Monate regelmäßig treffen; in Retreat-Tagen, an denen wir in einer einmaligen Konstellation zusammenkommen und wieder weiterziehen; in 1:1-Begleitungen im Coaching; und als Teil einer Sangha, die sich einmal in der Woche trifft.
Möglichkeiten, gemeinsam Achtsamkeit und Mitgefühl zu kultivieren
Awakening Joy
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